RumÀnien

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RumÀnien
Ru|mÀ|ni|en; -s:
Staat in SĂŒdosteuropa.

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RumÀni|en,
 
 
 
FlÀche: 238 391 km2
 
Einwohner: (2000) 22,33 Mio.
 
Hauptstadt: Bukarest
 
Amtssprache: RumÀnisch
 
 
WĂ€hrung: 1 Leu (l) = 100 Bani
 
Zeitzone: 1300 Bukarest = 1200 MEZ
 
amtlich RomĂąnia [romi'nia], Staat in SĂŒdosteuropa, grenzt im Norden und nördlich des Donaudeltas im SĂŒdosten an die Ukraine, im Osten an Moldawien (die Grenze bildet der Pruth), im SĂŒdosten mit einem 194 km langen KĂŒstenabschnitt ans Schwarze Meer, im SĂŒden, grĂ¶ĂŸtenteils mit einem 470 km langen Abschnitt der unteren Donau, an Bulgarien, im SĂŒdwesten an Jugoslawien (Serbien) und im Nordwesten an Ungarn. Mit einer FlĂ€che von 238 391 km2 ist RumĂ€nien etwas kleiner als Neuseeland. RumĂ€nien hat (2000) 22,33 Mio. Einwohner; Hauptstadt ist Bukarest. Die Amtssprache ist RumĂ€nisch; in Gebieten mit nationalen Minderheiten ist auch deren Sprache Umgangssprache, so v. a. Ungarisch und Deutsch im Banat und in SiebenbĂŒrgen. WĂ€hrung: 1 Leu (l; Plural Lei) = 100 Bani. Zeitzone: Osteuropische Zeit (1300 Bukarest = 1200 MEZ).
 
 Staat und Recht:
 
 
Nach der Verfassung vom 8. 12. 1991 (durch Referendum gebilligt) ist RumĂ€nien eine Republik; das am französischen Modell orientierte Regierungssystem stellt ein prĂ€sidentiell-parlamentarisches Mischsystem dar. Die Verfassung bekennt sich in prononcierter Weise zur Nationalstaatlichkeit, mit der nur ein begrenzter Minderheitenschutz vereinbar ist. Über die Einhaltung des Grundrechtskatalogs (enthĂ€lt auch Grundpflichten) wacht seit 1997 der Volksanwalt (vom Senat auf vier Jahre gewĂ€hlt).
 
Staatsoberhaupt ist der mit weit gehenden exekutiven Vollmachten ausgestattete PrĂ€sident (auf vier Jahre direkt gewĂ€hlt; einmalige Wiederwahl möglich). Im ersten Wahlgang ist die absolute Mehrheit der abgegebenen Stimmen erforderlich, andernfalls findet eine Stichwahl statt. Der PrĂ€sident ist Oberbefehlshaber der StreitkrĂ€fte, verfĂŒgt ĂŒber beachtliche Notstandsbefugnisse sowie ein suspensives Vetorecht gegen GesetzesbeschlĂŒsse und kann im Wege der prĂ€ventiven Normenkontrolle das Verfassungsgericht anrufen. Die Gesetzesinitiative und ein eigenes Verordnungsrecht stehen ihm nicht zu; Anordnungen des PrĂ€sidenten bedĂŒrfen nur in bestimmten FĂ€llen der Gegenzeichnung durch den Premierminister. Das Parlament kann - nach Einholung einer Stellungnahme des Verfassungsgerichts - beschließen, den PrĂ€sidenten wegen schwerer Verfassungsverletzungen vom Amt zu suspendieren. Über die endgĂŒltige Amtsenthebung muss in einer Volksabstimmung entschieden werden. Die gesetzgebende Gewalt liegt beim Zweikammerparlament (Legislaturperiode von vier Jahren). Der Abgeordnetenkammer gehören 328 regulĂ€re Abgeordnete an, die nach den GrundsĂ€tzen der VerhĂ€ltniswahl gewĂ€hlt werden (Sperrklausel von 5 % fĂŒr Parteien). Die Zahl der Abgeordneten kann sich durch mindestens 15 (derzeit 18) Zusatzmandate fĂŒr nationale Minderheitenorganisationen erhöhen, die ein Mandat erhalten, sofern sie nur 5 % der Stimmen erringen, die im Landesdurchschnitt fĂŒr die Erlangung eines Mandats benötigt werden. Der Senat besteht aus 140 Senatoren, die nach dem gleichen Wahlsystem gewĂ€hlt werden. FĂŒr ein Gesetz ist grundsĂ€tzlich ein ĂŒbereinstimmender Beschluss beider Kammern erforderlich. Eine Auflösung des Parlaments durch den PrĂ€sidenten kann bei gescheiterter Regierungsbildung erfolgen. Der Premierminister und auf dessen Vorschlag die ĂŒbrigen Mitglieder des Kabinetts werden vom PrĂ€sidenten ernannt. Die Regierung bedarf des Vertrauens beider Kammern des Parlaments und kann durch Misstrauensvotum gestĂŒrzt werden. - Seit Juni 1992 ist ein Verfassungsgericht tĂ€tig, dessen neun Richter (Amtszeit neun Jahre; Wiederwahl unzulĂ€ssig) zu je einem Drittel vom Abgeordnetenhaus, vom Senat und vom PrĂ€sidenten bestellt werden. Eine Verfassungs-Beschwerde existiert nicht.
 
Parteien:
 
Die einflussreichsten Parteien sind die Partei der Sozialen Demokratie RumĂ€niens (PDSR, gegrĂŒndet 1993), die nationalistische GroßrumĂ€nienpartei (PRM, gegrĂŒndet 1991), die marktwirtschaftlichen Strukturen und politische Reformen einfordernde Demokratische Partei (PD, gegrĂŒndet 1993), die Nationalliberale Partei (PNL, gegrĂŒndet 1869, 1947 verboten, 1989 rekonstituiert), die Demokratische Union der Ungarn RumĂ€niens (UDMR, gegrĂŒndet 1990) und die Nationale Bauernpartei RumĂ€niens (PNTCD, gegrĂŒndet 1926, 1947 verboten, 1989 rekonstituiert und mit der Christlich-Demokratischen Partei zusammengeschlossen). Im Juni 2001 kam es zum Zusammenschluss von PDSR und RumĂ€nischer Sozialdemokratischer Partei (PSDR, gegrĂŒndet 1989) zur Sozialen Demokratischen Partei (PSD).
 
 
Nach Auflösung der Einheitsgewerkschaften entstanden seit 1991 zahlreiche Gewerkschaftsorganisationen. Die grĂ¶ĂŸten DachverbĂ€nde sind die ConfederaĆŁia NaĆŁională a Sindicatelor Libere din RomĂąnia -Frăƣia (CNSLR-Frăƣia; 49 Einzelgewerkschaften mit rd. 2,6 Mio. Mitgliedern) und die Confederation of Democratic Trade Unions of Romania (34 Einzelgewerkschaften mit rd. 640 000 Mitgliedern).
 
 
Das seit 1992 gĂŒltige Wappen zeigt einen goldenen Adler auf blauem Schild, der im roten Schnabel ein goldenes Kreuz, in den roten FĂ€ngen ein silbernes Schwert und ein silbernes Zepter hĂ€lt. Vor der Brust befindet sich ein mehrfach geteilter Schild mit Adler (fĂŒr die Walachei), Ochsenkopf (fĂŒr die Moldau), BrĂŒcke mit Löwe (fĂŒr das Banat), Adler mit sieben roten Burgen (fĂŒr SiebenbĂŒrgen) und zwei Delphinen (fĂŒr die Dobrudscha).
 
Nationalfeiertage:
 
Nationalfeiertag ist der 1. 12., der an die Versammlung in Karlsburg 1918 erinnert, auf der die Forderung beschlossen worden war, SiebenbĂŒrgen mit RumĂ€nien zu vereinigen, und die den Abschluss der Vereinigung aller von den RumĂ€nen bewohnten Territorien mit dem Königreich RumĂ€nien markierte.
 
 
RumĂ€nien ist gegliedert in 41 Kreise (judeĆŁe) und die Hauptstadt Bukarest, die einen eigenen Kreis bildet. Von den 263 StĂ€dten haben 84 den Status eines Munizipiums. Durch die Kommunalgesetzgebung von 1991 und Reformen 1996 und 1997 ist die öffentliche Verwaltung dezentralisiert und die Autonomie der Gebietskörperschaften eingefĂŒhrt worden. Beschlussorgane sind die Gemeinde-, Stadt- und KreisrĂ€te (fĂŒr vier Jahre direkt gewĂ€hlt). FĂŒr den gleichen Zeitraum werden von der Bevölkerung die BĂŒrgermeister gewĂ€hlt. Als Chef der örtlichen Staatsverwaltung fungiert in den Kreisen und der Hauptstadt ein von der Regierung ernannter PrĂ€fekt. Er sorgt fĂŒr die Durchsetzung gesamtstaatlicher Interessen und ĂŒbt die Rechtsaufsicht ĂŒber die lokale und regionale Selbstverwaltung aus. Die seit 1999 bestehenden Planungsregionen sind ein erster Schritt zu einer im EU-Erweiterungsprozess geforderten Regionalisierung RumĂ€niens, besitzen allerdings keine politischen Kompetenzen.
 
 
Auf der untersten Stufe des Gerichtsaufbaus stehen die Amtsgerichte, die fĂŒr die meisten Straftaten und fĂŒr Zivilsachen mit geringem Streitwert zustĂ€ndig sind. Ihre Urteile können vor einem der 41 Gerichtshöfe auf Kreisebene angefochten werden. Diese Gerichte sind auch fĂŒr Zivilverfahren mit hohem Streitwert und fĂŒr schwerwiegende Straftaten in erster Instanz zustĂ€ndig; ihre Urteile können vor einem der 15 Appellationsgerichte angefochten werden. Die beiden letztgenannten Gerichte haben auch erstinstanzliche Gerichtsbarkeit fĂŒr verwaltungsrechtliche Streitigkeiten. Die Urteile der Appellationsgerichte werden vom Obersten Gerichtshof ĂŒberprĂŒft, der fĂŒr eine einheitliche Interpretation der Gesetze zustĂ€ndig ist. Neben diesen Gerichten stehen eine dreistufige MilitĂ€rgerichtsbarkeit sowie das Verfassungsgericht.
 
Seit 1989 bemĂŒhte sich RumĂ€nien, das Wirtschaftsrecht in ein marktwirtschaftlich orientiertes umzuwandeln, so u. a. durch das Gesetz ĂŒber Handelsgesellschaften (1990), das Bodenfondsgesetz (1991) und das Gesetz ĂŒber die Privatisierung von Handelsgesellschaften (1991). Das Handelsgesetzbuch von 1887 ist wĂ€hrend der sozialistischen Ära formell nicht aufgehoben worden und hat seine praktische Bedeutung wiedergewonnen. Das Privatrecht ist weitgehend dem BGB von 1864 unterworfen, das Familienrecht ist selbststĂ€ndiges Rechtsgebiet.
 
 
Die GesamtstĂ€rke der Wehrpflichtarmee (Wehrdienstdauer 12 Monate, bei der Marine 18 Monate) betrĂ€gt etwa 200 000 Mann, die der paramilitĂ€rischen KrĂ€fte (Grenztruppe, SicherheitskrĂ€fte, Gendarmerie) insgesamt rd. 80 000. Das Heer (etwa 130 000 Soldaten) ist in drei Heeresbereiche mit sieben Oberkommandos gegliedert. Die Luftwaffe (einschließlich Luftverteidigung) hat rd. 48 000, die Marine rd. 22 000 Mann (einschließlich 10 000 Marineinfanteristen). Die AusrĂŒstung umfasst u. a. etwa 1 200 Kampfpanzer (v. a. T-55, T-85), etwa 300 Kampfflugzeuge (davon etwa die HĂ€lfte MiG-21), einen Zerstörer, 15 Fregatten/Korvetten, ein U-Boot sowie 95 Kleine Kampfschiffe. - RumĂ€nien unterzeichnete 1994 die »Partnerschaft fĂŒr den Frieden« der NATO und ist seit 1994 (formal seit 1995) assoziierter Partner der WEU.
 
 Landesnatur und Bevölkerung:
 
 
RumĂ€nien liegt im SĂŒdosten Europas und wird mitunter als zur Balkanhalbinsel gehörig angesehen. Das Land wird im SĂŒden von der Donau, im Osten vom Schwarzen Meer und vom Pruth, im Norden von den Waldkarpaten begrenzt, im Westen reicht es bis in den Ostteil des Pannonischen Beckens. Etwa je ein Drittel der OberflĂ€che sind Gebirge, HĂŒgellĂ€nder/Hochebenen und Tieflandsebenen. RumĂ€nien wird zentral vom Karpatenbogen (Karpaten) mit den Ostkarpaten (im Pietrosu 2 303 m ĂŒber dem Meeresspiegel) und den SĂŒdkarpaten (mit dem Moldoveanu im Fogarascher Gebirge, 2 544 m ĂŒber dem Meeresspiegel, der höchsten Erhebung des Landes) durchzogen. Zwischen der Donauklamm (Eisernes Tor) im SĂŒden und dem Szamos im Norden liegen Banater Gebirge, Poiana Ruscai, WestsiebenbĂŒrgisches Gebirge mit Bihorgebirge (bis 1 848 m ĂŒber dem Meeresspiegel) und SiebenbĂŒrgischem Erzgebirge (bis 1 438 m ĂŒber dem Meeresspiegel). Die Gebirge umfassen das lössbedeckte, hĂŒgelige SiebenbĂŒrgische Hochland (300-800 m ĂŒber dem Meeresspiegel), die von Alt, Maros und Szamos entwĂ€ssert werden. Im Westen schließt sich das Banat mit dem Theißtiefland (Schwemmlandebene mit Braunerdeböden) im Ă€ußersten Westen an. Der Karpatenbogen wird außen vom Berg- und HĂŒgelland der Vorkarpaten begleitet; diese bestehen aus jungtertiĂ€ren Sedimenten (Sandstein, Lehm, Mergel, Schotter), zum Teil auch aus Ă€lterem Gestein, sind von Löss ĂŒberdeckt und werden von den aus den Karpaten kommenden FlĂŒssen in zahlreichen Berg- und HĂŒgelrĂŒcken unterschiedlicher Höhe gegliedert. Im Osten liegt zwischen dem Sereth- und dem Pruthtal das Hochland der Moldau, im SĂŒden und Osten das Donautiefland (unter 200 m ĂŒber dem Meeresspiegel) mit der RumĂ€nischen Ebene, das durch den Alt in einen kleineren westlichen Teil (Oltenien) und einen grĂ¶ĂŸeren östlichen Teil (Muntenien) gegliedert wird. Den Osten des Donautieflandes bilden die fruchtbare Schwarzerdesteppe Bărăgan (westlich der Donau) und die Niederung der Balta, ein ehemaliges Überschwemmungsgebiet der Donau. Ganz im SĂŒdosten folgen dann das Tafelland (v. a. aus tertiĂ€ren Kalken) der Dobrudscha sowie das Donaudelta (4 340 km2), das zu etwa 2 000 km2 aus sumpfigem Schilfdickicht und offenen WasserflĂ€chen besteht.
 
 
RumĂ€nien hat ein kontinentales Klima mit leichten ozeanischen EinflĂŒssen in den Gebirgen und in SiebenbĂŒrgen und mediterranen EinflĂŒssen im SĂŒdwesten; im Nordosten und SĂŒden ist es ausgeprĂ€gt kontinental. Die mittlere Januartemperatur (kĂ€ltester Monat) liegt zwischen 0 ÂșC an der SchwarzmeerkĂŒste und —5 bis —10 ÂșC im Hochgebirge. Im Juli (wĂ€rmster Monat) wird im Tiefland eine mittlere Temperatur von 22-24 ÂșC, im Gebirge von 15-16 ÂșC erreicht. Die Niederschlagshöhe nimmt von Norden nach SĂŒden sowie von Westen nach Osten und vom Gebirge zur Ebene ab. Die mittleren jĂ€hrlichen Niederschlagsmengen betragen in den Karpaten 1 000 bis mehr als 1 500 mm (in höheren Lagen hĂ€ufig als Schnee), im Hochland von SiebenbĂŒrgen 600 bis 700 mm, in der Moldau 400 bis 600 mm und im östlichen Teil des Donautieflandes (Bărăgan) 400 bis 500 mm. Die geringsten NiederschlĂ€ge (unter 400 mm) erhalten das Donaudelta und die östliche Dobrudscha. Die meisten NiederschlĂ€ge fallen gewöhnlich im Juni. Vorherrschend sind Winde aus Nordosten, Osten und Westen; gefĂŒrchtet ist der im Winter große KĂ€lte bringende Crivăƣ, ein Wind aus Nordosten. Der klimatische Einfluss des Schwarzen Meeres erstreckt sich nur auf einen schmalen KĂŒstenstreifen.
 
 
Vorherrschend sind mitteleuropĂ€ische Florenelemente, im SĂŒden sind zahlreiche Mittelmeerpflanzen (Walnuss, Edelkastanie) vertreten. Die Dobrudscha weist auch pontische Florenelemente auf (z. B. Federgras). Mit einer WaldflĂ€che von gegenwĂ€rtig 26,1 % gehört RumĂ€nien zu den europĂ€ischen LĂ€ndern mit mittlerem Waldreichtum. Große zusammenhĂ€ngende Waldgebiete sind in den Karpaten, besonders den Ostkarpaten, anzutreffen. In den höheren Gebirgslagen sind bis 1 800 m ĂŒber dem Meeresspiegel NadelwĂ€lder aus Fichten und Tannen, in den mittleren (bis 1 000 m ĂŒber dem Meeresspiegel) RotbuchenwĂ€lder, in den unteren sowie im Karpatenvorland und in den Beckenlandschaften SiebenbĂŒrgens Eichen und Hainbuchen vorherrschend. Die Steppenpflanzen der Ebenen sind meist dem Ackerbau gewichen. 1999 gab es drei BiosphĂ€renreservate (Donaudelta, Retezat, Pietrosul Rodnei), 14 Nationalparks sowie 40 wissenschaftliche Reservate, die zusammen 4,2 % der LandesflĂ€che einnehmen.
 
 
Nach der VolkszĂ€hlung von 1992 waren von der Bevölkerung 89,4 % RumĂ€nen, 7,1 % Magyaren (u. a. Szekler; RumĂ€nienungarn), 0,3 % Deutsche (1990-95 haben 97 400 DeutschstĂ€mmige das Land verlassen; RumĂ€niendeutsche), 0,2 % Sinti und Roma sowie 2,9 % Ukrainer, Serben, Kroaten, Russen, Bulgaren, TĂŒrken u. a. Insgesamt sind 18 nationale Minderheiten anerkannt und seit 1993 durch den »Rat der Nationalen Minderheiten« bei der Regierung vertreten. Die schnelle Bevölkerungszunahme bis 1990 (1948: 15,8 Mio.; 1977: 21,6 Mio.; 1990: 23,2 Mio.) beruhte auf einer hohen Geburtenziffer (als Folge repressiver bevölkerungspolitischer Maßnahmen); sie geht seit 1992 zurĂŒck. Besonders hoch ist die SĂ€uglingssterblichkeit (1999: 2,1 %). Die Bevölkerung weist eine vergleichsweise gĂŒnstige Altersstruktur auf: 1999 waren 18,8 % bis 14, 62,7 % 15 bis 59 und 18,5 % ĂŒber 60 Jahre alt. Der Anteil der Stadtbevölkerung nahm 1930-99 von 21 % auf 55 % zu. Mit einer mittleren Bevölkerungsdichte von 94 Einwohner je km2 gehört RumĂ€nien zu den vergleichsweise dĂŒnn besiedelten Staaten Europas. Die grĂ¶ĂŸte Bevölkerungsdichte haben das HĂŒgelland der Vorkarpaten, das Donautiefland, besonders um Bukarest, und die Beckenlandschaften SiebenbĂŒrgens, am schwĂ€chsten sind Teile der West- und SĂŒdkarpaten und das Donaudelta besiedelt.
 
 
Es besteht Religionsfreiheit. Die 15 staatlich anerkannten Kirchen und Religionsgemeinschaften (1997) sind rechtlich gleichgestellt; Bischofswahlen und -ernennungen bedĂŒrfen (wie bereits vor 1989) der staatlichen BestĂ€tigung. Die rumĂ€nisch-orthodoxe Kirche strebt unter Berufung auf ihre besondere geschichtliche Rolle die gesetzliche Anerkennung als (einzige) »nationale Kirche RumĂ€niens« an. - Nach kirchlichen Angaben gehören rd. 98 % der Bevölkerung christlicher Kirchen an. Mit rd. 87 % zĂ€hlt die rumĂ€nisch-orthodoxe Kirche fast alle RumĂ€nen als Mitglieder, wobei allerdings rd. 1,4 Mio. RumĂ€nen mitgezĂ€hlt werden (rd. 6,2 % der Bevölkerung), die der 1990 wieder errichteten griechisch-katholischen Kirche angehören. Eine orthodoxe Minderheitskirche bilden die AltglĂ€ubigen (Popowzy). Rd. 5 % der Bevölkerung (RumĂ€nienungarn und RumĂ€niendeutsche in SiebenbĂŒrgen und im Banat) gehören der katholischen Kirche des lateinischen Ritus an, rd. 6 % protestantischen Kirchen (Reformierte, Baptisten, Pfingstler, Unitarier, Adventisten, Lutheraner u. a.). Die grĂ¶ĂŸte protestantische Kirche ist die in der ungarischen Bevölkerungsgruppe verwurzelte »Reformierte Kirche in RumĂ€nien« (rd. 700 000 Mitglieder der ); die lutherische Kirche der SiebenbĂŒrger Sachsen zĂ€hlt nur noch rd. 20 000 Mitglieder (Evangelische Kirche Augsburgischen Bekenntnisses in SiebenbĂŒrgen). - ZahlenmĂ€ĂŸig kleine nichtchristlich religiöse Minderheiten bilden die Muslime, Juden und Bahai: Die rd. 50 000 Muslime (TĂŒrken und Tataren) sind Sunniten der hanefitischen Rechtsschule und ĂŒberwiegend in der Dobrudscha ansĂ€ssig; ĂŒber die HĂ€lfte der rd. 9 000 Juden lebt in Bukarest.
 
 
Es besteht eine achtjĂ€hrige Schulpflicht (6.-14. Lebensjahr), wobei die Ausbildung insgesamt Volksschul- (Klassen 1-4), Gymnasial- (Klassen 5-8) und Lyzeumsunterricht (Klassen 9-12) umfasst. DarĂŒber hinaus bestehen auch Schulen fĂŒr die Ausbildung von Facharbeitern und höhere technische Fachschulen. FĂŒr Kinder der ethnischen Minderheiten (v. a. Ungarn, Deutsche, Serben, Kroaten) sind zum Teil spezielle Schulen oder Klassen eingerichtet. 1990 wurden erstmals wieder Bildungseinrichtungen privatisiert. Die Analphabetenquote betrĂ€gt 2,2 %. UniversitĂ€t gibt es in Jassy (gegrĂŒndet 1860), Bukarest (1864), Temesvar (1962), Craiova (1966), Kronstadt (1971), Galatz (1974) und PloieƟti (1992).
 
 
Presse: Die rumĂ€nische Presselandschaft hat sich nach 1989 stark verĂ€ndert. Die Zahl der Periodika stieg von (1989) 350 auf (1990) 1 444. Innerhalb der nĂ€chsten fĂŒnf Jahre sank die Gesamtzahl der Periodika zwar wieder auf 967, die Zahl der Tageszeitungen jedoch stieg weiter an von (1989) 35 ĂŒber (1990) 65 auf (1994) 97. Die wichtigsten Tageszeitungen, alle in Bukarest erscheinend, sind die Boulevardzeitung »Evenimentul Zilei« (gegrĂŒndet 1991, Beteiligung des Verlags Gruner + Jahr; Auflage 130 000), »Cotidianul« (1991, 120 000), »NaĆŁional« (2000, 50 % Beteiligung der deutschen WAZ-Mediengruppe; etwa 90 000), »Adevărul« (1989, 85 000), »Libertatea« (1989, 75 000), »Jurnalul NaĆŁional« (1993, 70 000), »Curierul NaĆŁional« (1991, 55 000) sowie die Sportzeitung »Gazeta Sporturilor« (1924, 50 000). DarĂŒber hinaus erscheinen Regionalzeitungen in allen KreishauptstĂ€dten, außerdem die beiden deutschsprachigen Zeitungen »Allgemeine Deutsche Zeitung fĂŒr RumĂ€nien« (ADZ, Auflage 5 000, tĂ€glich) und »HermannstĂ€dter Zeitung« (2 000, wöchentlich). - Zentrale Nachrichtenagentur ist »ROMPRES« (gegrĂŒndet 1949 als »Agerpres«). Als unabhĂ€ngige regionale Agentur fĂŒr den Nordosten des Landes existiert ferner »Nord-Est-Press« (Jassy). - Rundfunk: Als Dachgesellschaft der Funkmedien fungiert »Radioteleviziunea RomĂąnă«. Der staatliche Hörfunk »Radiodifuziunea RomĂąnă« strahlt ein nationales, sechs regionale und zwei lokale Programme sowie einen Auslandssender in 15 Sprachen aus. Seit 1992 gibt es daneben, vorwiegend auf lokaler Ebene, privaten Hörfunk, lizensiert durch den »Nationalrat fĂŒr audiovisuelle Medien« (CNA), u. a. »Radio Contact«, »Pro FM«, »Radio Romantic«, »Radio 2 M+«, »Radio Tirana«. Das staatliche Fernsehen erwies sich als eine entscheidende Hilfe beim Sturz des CeauƟescu-Regimes 1989. Im Bukarester »Haus des Fernsehens« tagte der »Rat der Front zur Nationalen Rettung« (FSN). Das staatliche Fernsehen »Televiziunea RomĂąnă - Telecentrul BucureƟti« strahlt zwei Programme aus, »TVR 1 und »TVR 2«. Daneben existieren, ebenfalls lizensiert durch die CNA, mehrere private Fernsehstationen, u. a. »Pro TV«, »Antena 1«, »Prima TV«, »Tele 7 ABC« (ĂŒber Satellit), »Channel 2 TV RomĂąnă«.
 
 Wirtschaft und Verkehr:
 
 
RumĂ€nien war bis zum Zweiten Weltkrieg ein Agrarland; grĂ¶ĂŸere industrielle Bedeutung hatte nur die an zweiter Stelle in Europa stehende Erdölförderung. Nach 1948 wurde das Land im Rahmen einer zentralistisch betriebenen sozialistischen Planwirtschaft forciert industrialisiert, wobei vorrangig Grundstoff- und Schwerindustrie unter VernachlĂ€ssigung der KonsumgĂŒterindustrie und der Landwirtschaft ausgebaut wurden. Die ĂŒberdimensioniert angelegte Pertro- und Chemieindustrie benötigte mehr Rohöl, als im Inland gefördert wurde. Durch die in den 1970er-Jahren gestiegenen Olpreise auf dem Weltmarkt kam es in der Folge zu einer hohen Auslandsverschuldung. Der nach der ZahlungsunfĂ€higkeit RumĂ€niens 1981 notwendige Abbau der Devisenschulden (13 Mrd. US-$) wurde nur durch den Export von im Land dringend benötigten GĂŒtern und erzwungen durch einen einschneidenden Konsumverzicht der Bevölkerung an lebensnotwendigen GĂŒtern (v. a. Lebensmitteln und EnergietrĂ€gern) ermöglicht. Der Übergang von der sozialistischen Plan- zur Marktwirtschaft, der sich ab 1990 v. a. durch die Abwertung des Leu und die Freigabe der Preise unter großen Opfern fĂŒr den Großteil der Bevölkerung vollzieht, hat den wirtschaftlichen Niedergang noch weiter beschleunigt. Hohe Inflationsraten (1993: 256 %; 2000: 45 %), eine wachsende Arbeitslosigkeit (2000: 10,5 %) und eine schlechte Bezahlung in geregelten BeschĂ€ftigungsverhĂ€ltnissen fĂŒhrten zu einem drastischen Anstieg des Bevölkerungsanteils unterhalb der Armutsgrenze (1989: 3,9 %; 1998: 33,8 %). Als problematisch erwies sich das unentschlossene Handeln der linksorientierten Regierung nach 1990, wodurch bis heute besonders ineffiziente, hochsubventionierte Großbetriebe aus dem Bereichen Schwerindustrie Energie, Bergbau und RĂŒstung unter staatlicher Kontrolle geblieben sind. 1994 konnte der weitere wirtschaftliche Niedergang gebremst werden, es setzte eine gewisse, jedoch immer wieder von RĂŒckschlĂ€gen begleitete Stabilisierung ein, die besonders im Bereich der Landwirtschaft, aber auch im Dienstleistungssektor erkennbar ist. So konnte der rasante ProduktionsrĂŒckgang gestoppt werden, und das Bruttoinlandsprodukt (BIP), das 1996 35,6 Mrd. US-$ (1 571 US-$ je Einwohner) erreichte, konnte relativ stabil gehalten werden (2000: 36,7 Mrd. US-$). 2001 stieg das BIP sogar um 5,3 % an. Dabei war in der Landwirtschaft (21,2 %) und der Industrie (7,9 %) das stĂ€rkste Wachstum zu verzeichnen. Im Jahr 2000 erreichten die auslĂ€ndischen Investitionen insgesamt 6,0 Mrd. US-$. Der 1997 eingeleitete und nach dem Regierungswechsel 2000 fortgefĂŒhrte Reformkurs sieht in Absprache mit dem IWF, der Weltbank und der EU eine weitere Liberalisierung der Wirtschaft, den Abbau der Investitionen, Erhöhung von Steuern und Abgaben, Lohnlimitierung in unrentablen Betrieben, Beschleunigung und Erleichterung der Privatisierung, sowie die Schaffung weiterer Anreize fĂŒr auslĂ€ndische Investoren vor; durch soziale Abfederung sollen die Auswirkungen fĂŒr die einkommensschwache Bevölkerung gemildert werden.
 
 
In der Landwirtschaft, die (1999) mit 13,4 % am BIP beteiligt war, sind 41 % der ErwerbstĂ€tigen beschĂ€ftigt. Das Bodengesetz von 1991 zersplitterte die landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften, 80 % des Bodens wurden an die ehemaligen Besitzer, soweit sie in RumĂ€nien leben, zurĂŒckgegeben (bis 10 ha). Der Privatsektor erbringt heute etwa 95,5 % der Agrarproduktion. Kapitalmangel und kleine Höfe verhindern einen effektiven Betrieb, weshalb sich viele kleine Bauern assoziiert haben. Einige Höfe öffnen sich dem Fremdenverkehr (Agro- oder GrĂŒner Tourismus). Die landwirtschaftliche NutzflĂ€che von (1999) 14,7 Mio. ha (61,7 % der GesamtflĂ€che) setzt sich zusammen aus 9,3 Mio. ha Ackerland, 4,9 Mio. ha Wiesen und Weiden und 0,6 Mio. ha Dauerkulturen, davon die HĂ€lfte Weinbauland. Wichtige Agrarzentren sind die RumĂ€nische Ebene, das Theißtiefland, SiebenbĂŒrgen und die Dobrudscha. Hauptanbauprodukte sind Mais, Weizen, ZuckerrĂŒben, Sonnenblumen, GemĂŒse und Kartoffeln. Der Obstbau ist besonders im sĂŒdlichen und sĂŒdöstlichen, der Weinbau im sĂŒdlichen Karpatenvorland, in SiebenbĂŒrgen und in der Dobrudscha anzutreffen; berĂŒhmte Weinbauorte sind DrăgăƟani, OdobeƟti, Panciu, Cotnari und Murfatlar. BewĂ€sserungsfeldbau wird besonders im Donautiefland, am unteren Alt, in der Bărăgan und in der sĂŒdlichen Dobrudscha betrieben. Der Anteil der tierischen an der gesamten landwirtschaftlichen Produktion betrĂ€gt etwa 40 %. Rinderzucht mit Milchviehhaltung wird in stadtnahen Gebieten, Schweinezucht besonders im Banat, im SĂŒden SiebenbĂŒrgens und in der nördlichen Moldau betrieben, Schafzucht konzentriert sich im Gebirge und in der Dobrudscha.
 
 
Trotz erheblichen Holzeinschlags (1999: 13,7 m3) konnte die WaldflĂ€che bisher konstant gehalten werden. WĂ€hrend der Bestand an NadelbĂ€umen leicht zurĂŒch gegangen ist, hat z. B. der Bestand an Buchem um 34 000 ha zugenommen.
 
 
Durch extensiv betriebene Fischerei, Wildfischerei und Umweltverschmutzung ging in der Donau die Fangmenge drastisch zurĂŒck. Insgesamt wurden (1999) nur noch 13 528 t Fisch gefangen, davon lediglich 16 % aus privaten Betrieben. In BinnengewĂ€ssern wird auch Karpfenzucht betrieben.
 
 
Das Land verfĂŒgt ĂŒber vielfĂ€ltige BodenschĂ€tze, jedoch erweisen sich viele Vorkommen unter den neuen wirtschaftlichen Bedingungen als unrentabel; zum Teil wurde die Förderung bereits aufgegeben. Große Bedeutung haben weiterhin die Gewinnung von Erdöl im Karpatenvorland (mit den alten Schwerpunkten im Raum PloieƟti und Bacău und den jĂŒngeren nördlich von PiteƟti und um Craiova) sowie von Erdgas (in SiebenbĂŒrgen in den Kreisen MureƟ und Hermannstadt). RumĂ€nien gehörte einst zu den wichtigsten europĂ€ischen ErdölförderlĂ€ndern; die Fördermengen von Erdöl (1999: 6,1 Mio. t) und Erdgas (1999: 14,6 Mrd. m3) verringerten sich seit Ende 1989 erheblich, zur Versorgung der Raffinerien muss Rohöl importiert werden. Die Steinkohlengewinnung (1999: 3,7 Mio. t) ist v. a. im Becken von PetroƟani konzentriert, und ebendso rĂŒcklĂ€ufig wie der Abbau von Lignit (20 Mio. t), das im TrotuƟbecken, in den Flussgebieten der Weißen und Schnellen Körös sowie des Jiu gewonnen wird. Die Eisenerzförderung ist fast völlig zum Erliegen gekommen. Bedeutung hat der Abbau von Buntmetallerze (Blei, Zink; Kupfer), deren Gewinnung seit 1994 auch um 30 % zurĂŒckgegangen ist. Auf großes Interesse auslĂ€ndischer Investoren ist in den letzten Jahren der Goldbergbau gestoßen. Im rumĂ€nischen Westgebirge wurden grĂ¶ĂŸere Vorkommen entdeckt, deren Abbau mit Hilfe gegenwĂ€rtig vorbereitet wird.
 
 
Die wichtigsten EnergietrÀger RumÀniens sind Erdgas und Erdöl (34 bzw. 28% PrimÀrenergieanteil 1999). Kohle trÀgt nur zu 19%, Wasser- und Kernkraft zu 7% zur Deckung des Energiebedarfs bei. Der Elektroenergieverbrauch verminderte sich 1989-1999 wegen der geringeren Industrieproduktion um 39%. Dadurch erhöhte sich der Anteil der Wasserkraft an der Stromerzeugung auf 36% (Stromproduktion 1999: 50,7 Mio. kWh). Das bedeutendste Wasserkraftwerk befindet sich am Eisernen Tor und wird gemeinsam mit Jugoslawien betrieben. Seit 1996 ist der erste Reaktor des Kernkraftwerkes Cernavoda (Nettoleistung 600 MW) in Betrieb.
 
 
Die BeschĂ€ftigtenzahlen sind seit 1989 stark zurĂŒckgegangen. 1999 waren lediglich 2 Mio. ErwerbstĂ€tige (24,4 % der ErwerbstĂ€tigen) in der Industrie tĂ€tig (1989: 4,2 Mio. bzw. 38,1 %). Im Baugewerbe hat sich die Zahl der BeschĂ€ftigten seit 1989 um 44 % reduziert (1999: 338 000 BeschĂ€ftigte). Nachdem aufgrund der ausbleibenden Restrukturierungsmaßnahmen der Anteil der Schwerindustrie am produzierenden Sektor bis 1997 auf 11,6 % zunahm, hat sich dieser Anteil 1999 auf 9,0 % reduziert, stellt aber nach der lebensmittelverarbeitenden Industrie (13,9 %) immer noch den zweitstĂ€rksten Anteil. Die geplanten Privatisierungen werden zu einer weiteren Reduzierung der unrentabel arbeitenden Industriesektoren (HĂŒttenwerke, Chemie) fĂŒhren. In Bukarest sind lediglich 14,6 % der Industrieproduktion konzentriert. Die wichtigsten EisenhĂŒttenzentren liegen im SĂŒdwesten (Hunedoara), in SiebenbĂŒrgen und im Osten des Landes (Galatz, Röhrenwalzwerk in Roman; Brăila und Buzău); 1989-1999 ging die Stahlproduktion um 70 % zurĂŒck. Standorte der Buntmetallurgie sind Baia Mare (Kupfer, Blei, Gold, Silber), Großwardein (Aluminiumoxid), Tulcea, Slatina (Aluminium) und Zlatna (Kupfer). Der Maschinenbau, nur noch mit 3,8 % an der Industrieproduktion beteiligt, hat wichtige Standorte in Bukarest, Kronstadt, Großwardein, Craiova, Hermannstadt, Klausenburg, Neumarkt, PloieƟti und Galatz. Werften arbeiten in Konstanza und Mangalia am Schwarzen Meer sowie u. a. in Tulcea, Brăila und Giurgiu an der Donau. Die chemische Industrie (v. a. in Bukarest, PloieƟti, Kronstadt, um Neumarkt, in SiebenbĂŒrgen, entlang der FlĂŒsse Bistritz und TrotuƟ, in Großwardein und Temesvar) erbringt 5,8 % der Industrieproduktion. Weitere Zweige der Leichtindustrie sind Holzverarbeitung (besonders in den Karpaten), Glas- (Mediasch, Bukarest) und keramische Industrie (Klausenburg, SchĂ€ĂŸburg, Temesvar. Zunehmende Bedeutung erhĂ€lt die sog. Lohnveredelung in der Textil- und Bekleidungsindustrie. AuslĂ€ndische Investoren lassen dabei importierte, bereits zugeschnittene Stoffe in rumĂ€nischen Betrieben zu KleidungsstĂŒcken zusammennĂ€hen, die umgehend wieder exportiert werden.
 
 
Schwerpunkte des Fremdenverkehrs (1999: 5,2 Mio. AuslandsgĂ€ste, davon 1,3 Mio. ĂŒber Reiseagenturen organisierte Touristen) bilden die Wintersportorte (Poiana Brasov und Predeal sĂŒdlich von Kronstadt, BuƟteni und Sinaia am O-Rand des Bucegi), die SchwarzmeerkĂŒste mit den Badeorten Mamaia, Neptun, Konstanta und Mangalia und ĂŒber 140 Kur- und Badeorte im Inland (z.B. Borsec, Băile Herculane im Banater Gebirge und Băile Felix bei Großwardein). Tourist. Anziehungspunkte sind außerdem die Moldauklöster, die mittelalterlichen Kirchenburgen in SiebenbĂŒrgen sowie Bukarest.
 
 
Die rumĂ€nische Regierung setzt zur Verbesserung der wirtschaftlichen Entwicklung auf höhere Exporte, auch um das zunehmende Handelsbilanzdefizit (2000: 2,68 Mrd. US-$) auszugleichen. Die Exportwert betrug (2001) 11,38 Mrd. US-$, der Importwert 14,35 Mrd. US-$. Die wichtigsten ExportlĂ€nder sind Italien (23%), Deutschland (18%), Frankreich (6%) und die TĂŒrkei (6%). HauptexportgĂŒter waren (2001) Textilien (26%), Metalle/Metallprodukte (15%), Maschinenbauerzeugnisse/Fahrzeuge/ElektrogerĂ€te/Transportmittel (11%), Mineralien/Brennstoffe (6%). HaupthandelsgĂŒter beim Import waren Maschinenbauerzeugnisse/Fahrzeuge/ElektrogerĂ€te/Transportmittel (23%), Textilien (16%), Brennstoffe (14%) und ChemigĂŒter (9%). In 2001 wurden bereits 67,8% der Exporte und 57,3% der Importe mit der EU abgewickelt.
 
Verkehr:
 
RumĂ€nien wird wegen des grĂ¶ĂŸtenteils veralteten und teilweise maroden Verkehrsnetzes seiner Funktion als Transitraum im internationalen GĂŒterverkehr zwischen der EU, den Schwarzmeerstaaten und dem Nahen Osten noch nicht gerecht. Durch den Ausbau des Verkehrsnetzes soll diese Funktion im Rahmen der transeuropĂ€ischen Netze mit Hilfe der EU in den nĂ€chsten Jahren verbessert werden. Die Eisenbahn musste als ehemaliger HauptverkehrstrĂ€ger starke NachfragerĂŒckgĂ€nge hinnehmen. Die vergleichsweise weitmaschige StreckenfĂŒhrung folgt eher geographischen Gegebenheiten und kann nicht flexibel genug auf die sich wandelnden Transporterfordernisse reagieren. Das gesamte Netz umfasst (1999) 10 981 km, davon 35,9 % elektrifiziert und 27 % als zweigleisig gefĂŒhrte Hauptstrecken. Das Straßennetz ist (1999) 73 435 km lang; 14 685 km sind Nationalstraßen. Eine 112 km lange Autobahn verbindet das Hauptverkehrszentrum Bukarest mit PiteƟti. Binnenschifffahrt wird heute fast ausschließlich auf der Donau (1 075 km lange Schifffahrtsstrecke in RumĂ€nien) betrieben, die im kanalisierten Sulinaarm des Deltas bis Brăila fĂŒr Seeschiffe befahrbar und deren Unterlauf bei Cernavodă seit 1984 durch den Donau-Schwarzmeer-Kanal direkt mit Konstanza verbunden ist. Die wichtigsten DonauhĂ€fen sind die von Sulina, Galatz, Brăila, Cernavodă, CălăraƟi, Giurgiu und Drobeta-Turnu Severin. Der Pruth ist nur fĂŒr kleine Schiffe befahrbar. Die Handelsflotte umfasste (1999) 203 Schiffe mit 2,97 Mio. BRT. GrĂ¶ĂŸter Seehafen ist der von Konstanza (mit dem neuen Seehafen Agigea weiter sĂŒdlich), gefolgt von Mangalia. Die nationale Luftverkehrsgesellschaft Transporturite Aeriene RomĂąne-TAROM hat ihre ehemalige Monopolstellung verloren (besonders das rumĂ€nisch-amerikanische Unternehmen JaroInternational ist eine starke Konkurrenz). Wichtigster internationaler Flughafen ist der bei Bukarest (Otopeni), die anderen in Konstanza, Temesvar, Arad und Hermannstadt sind nur von begrenzter Bedeutung.
 
 Geschichte:
 
Zur Vorgeschichte SĂŒdosteuropa.
 
Geschichte bis 1862:
 
Das heutige RumĂ€nien umfasst im Wesentlichen die historischen Gebiete der Moldau, der Walachei und SiebenbĂŒrgen. Vor 1862 sowie 1918/19 kann man nur von einer Geschichte der von RumĂ€nen bewohnten Gebiete (dazu auch Bessarabien und die Bukowina) beziehungsweise einer Geschichte der RumĂ€nen sprechen.
 
Die Ă€ltesten, ethnisch klar einzuordnenden Bewohner des heutigen RumĂ€nien sind die nordthrakischen Daker und Geten, die seit dem 1. Jahrhundert v. Chr. unter Burebista (70-44 v. Chr.) in einem Königreich organisiert waren. Es erreichte seine BlĂŒte unter König Decebalus (87-106 n. Chr.). Nach der Römerherrschaft (seit dem 1. Jahrhundert n. Chr. in der Dobrudscha, 106-270/71 in Dakien) dĂŒrften Teile der römischen Zivilbevölkerung als ViehzĂŒchter und Bauern zurĂŒckgeblieben und mit den Dakern, die ihre Sprache annahmen, verschmolzen sein. Das Gebiet des heutigen RumĂ€nien wurde dann von Wandervölkern beherrscht (3. Jahrhundert Goten, 4./5. Jahrhundert Hunnen, 5./6. Jahrhundert Gepiden [in SiebenbĂŒrgen schon seit dem 3. Jahrhundert, bis 567], 6.-8. Jahrhundert Awaren, 11. Jahrhundert Petschenegen, 11.-13. Jahrhundert Kumanen, Mongolen 1241). Die im 6./7. Jahrhundert eindringenden Slawen hinterließen als Einzige mit der Assimilierung Spuren in der sich herausbildenden rumĂ€nischen Sprache. Im 13. Jahrhundert werden die RumĂ€nen erstmals urkundlich als Volk erwĂ€hnt (Vlahi, Wlachen). Im 10./11. Jahrhundert erfolgte die magyarische Landnahme in SiebenbĂŒrgen, das bald teils von Magyaren, teils ab etwa 1150 von den SiebenbĂŒrger Sachsen kolonisiert wurde und der ungarischen Krone unterstellt war.
 
Zu den ersten Staatsbildungen kam es unter Basarab I. in der Walachei (»ƹara RomĂąneasca«; Residenzen spĂ€ter TĂąrgoviƟte und Bukarest) und unter Bogdan I. (1359-65) in der Moldau (»Bogdania«; Residenz ab 1565 Jassy). Nach Beendung der AbhĂ€ngigkeit von Ungarn (Walachei 1330, Moldau 1359) waren die Gebiete seit 1396 durch die Ausbreitung des Osmanischen Reichs bedroht. Seit 1460 mussten die Walachei, seit 1513 die Moldau und seit 1541 SiebenbĂŒrgen die tĂŒrkische Oberhoheit anerkennen; sie erkauften sich eine weitgehende innere SelbststĂ€ndigkeit gegenĂŒber den Osmanen bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts durch Tributzahlungen und wurden nie zu tĂŒrkischen Provinzen (»Paschaliks«) erklĂ€rt. In der TĂŒrkenabwehr zeichneten sich besonders Hospodar Stephan III., der Große (1457-1504), von der Moldau, der Woiwode von SiebenbĂŒrgen J. Hunyadi (1441-56) und FĂŒrst Michael der Tapfere (1593-1601) von der Walachei aus, der 1599/1600 erstmals alle von RumĂ€nen bewohnten Gebiete unter seiner Herrschaft zusammenfassen konnte. Im 17. Jahrhundert ernannte die Hohe Pforte aus den miteinander rivalisierenden einheimischen Bojarenfamilien die FĂŒrsten (Wojewoden), unter denen Vasile Lupu (1634-53) fĂŒr die Moldau, Matei Basarab (1632-54) und C. BrĂąncoveanu (1688-1714) fĂŒr die Walachei eine wirtschaftliche und kulturelle BlĂŒte herbeifĂŒhrten. Seit 1711 (Moldau) und 1716 (Walachei) wurden die FĂŒrstenthrone in Jassy und Bukarest an griechische Phanarioten vergeben.
 
Im 18. Jahrhundert bildete sich ein rumĂ€nisches Nationalbewusstsein heraus. 1718-39 gehörte die Kleine Walachei (Oltenien) bis zur Alt und 1775-1918 der Nordteil der Moldau als Bukowina zu Österreich sowie 1812-1918/20 der Ostteil der Moldau als Bessarabien zu Russland. Nach dem Frieden von KĂŒtschĂŒk Kainardschi (1774) gerieten die DonaufĂŒrstentĂŒmer unter russischem Einfluss. Der gescheiterte Aufstand (1821) unter A. Ypsilanti und T. Vladimirescu veranlasste die Pforte, 1822 wieder einheimische FĂŒrsten einzusetzen, die durch den Frieden von Adrianopel (1829) unter russischer Protektion gestellt wurden. Das von der russischen Besatzungsmacht erlassene »RĂšglement organique« von 1831/32 bildete die erste Verfassung (u. a. Recht auf FĂŒrstenwahl, Donauschifffahrt und Außenhandel). Die Revolution 1848/49 wurde von russischen, tĂŒrkischen und - in SiebenbĂŒrgen - von österreichischen Truppen niedergeworfen; eine gewisse Liberalisierung blieb erhalten. Nach der Niederlage Russlands im Krimkrieg (1853/54-56) endete mit dem Pariser Frieden von 1856 das russische Protektorat; die osmanische Oberhoheit blieb aber nominell bestehen. Die DonaufĂŒrstentĂŒmer wurden unter das Protektorat der sieben SignatarmĂ€chte des Pariser Friedens gestellt (u. a. EuropĂ€ische Donaukommission); die Moldau erhielt SĂŒdbessarabien zurĂŒck. In SiebenbĂŒrgen, seit 1699 habsburgisch, wurde die rumĂ€nische Bevölkerung, inzwischen Mehrheitsethnie, nach dem Österreichisch-Ungarischen Ausgleich von 1867 einer verstĂ€rkten Magyarisierung unterworfen.
 
FĂŒrstentum und Königreich
 
(1862-1945/47): Der Wunsch der in den DonaufĂŒrstentĂŒmern geschaffenen Vertretungskörperschaften (»Divan ad hoc«), beide Territorien unter einem erblichen FĂŒrsten zu vereinen, fĂŒhrte 1859 in beiden FĂŒrstentĂŒmern zur Wahl von Oberst A. I. Cuza (Hauptstadt der vereinigten DonaufĂŒrstentĂŒmer: Jassy); als FĂŒrst Alexandru Ioan I. proklamierte er am 24. 1. 1862 die Vereinigung unter dem Namen RumĂ€nien (Hauptstadt: Bukarest) und fĂŒhrte tief greifende Reformen durch. Als er 1866 auf Druck der Bojaren abdanken musste, wurde durch Volksabstimmung Karl von Hohenzollern-Sigmaringen als Karl (Carol) I. zum FĂŒrsten gewĂ€hlt, der RumĂ€nien kulturell und politisch an Mittel- und Westeuropa anschloss. Eine neue liberale Verfassung (13. 7. 1866 in Kraft bis 1923) erklĂ€rte RumĂ€nien zur konstitutionellen Monarchie. Am 21. 5. 1877 rief Außenminister M. Kogǎlniceanu die UnabhĂ€ngigkeit RumĂ€niens aus, die durch den Frieden von San Stefano und auf dem Berliner Kongress (1878) international voll anerkannt wurde. RumĂ€nien musste jedoch erneut SĂŒdbessarabien an Russland abtreten, erhielt aber die Norddobrudscha.
 
Am 14. 3. 1881 proklamierten beide Kammern RumĂ€nien zum Königreich und Karl zum König. StabilitĂ€t und Fortschritt prĂ€gten die Folgezeit; Liberale und Konservative lösten einander an der Macht ab. Korruption und Ausbeutung fĂŒhrten 1907 zu einem Bauernaufstand, der blutig niedergeschlagen wurde. Durch sein Eingreifen im Zweiten Balkankrieg erzwang RumĂ€nien von Bulgarien die Abtretung der SĂŒddobrudscha (Frieden von Bukarest, 10. 8. 1913). Nachfolger Karls wurde 1914 sein Neffe (als Ferdinand I.). Im Ersten Weltkrieg zunĂ€chst neutral, erklĂ€rte RumĂ€nien jedoch am 27. 8. 1916 Österreich-Ungarn und damit dem Deutschen Reich den Krieg. Ein Feldzug der MittelmĂ€chte (1916/17) und der Zusammenbruch des kaiserlichen Russland nötigten RumĂ€nien zum vom König nicht gegengezeichneten Bukarester Frieden (7. 5. 1918 Verlust der Dobrudscha; Oktober 1918 aufgekĂŒndigt).
 
Am 9. 4. 1918 stimmte der Landesrat von ChiƟinău fĂŒr die Vereinigung Bessarabiens mit RumĂ€nien; ebenso kamen die Bukowina (28. 11. 1918, SiebenbĂŒrgen (nach der Versammlung in Karlsburg/Alba Iulia vom 1. 12. am 14. 12. 1918 vollzogen) und zwei Drittel des Banats (21. 6. 1919 an das »Altreich« (»Vechiul Regat«). Durch die Pariser VorortvertrĂ€ge 1919/20 (u. a. RĂŒckfall der Dobrudscha) wurden die neuen Grenzen RumĂ€niens anerkannt. Erhebliche Probleme hatte das neue Königreich »GroßrumĂ€nien« (mit 295 042 km2 und fast 16 Mio. Einwohner doppelt so groß wie vor 1914; 1930: 18,05 Mio. Einwohner) mit seinen nationalen Minderheiten (33 %; 1930: 28 %), davon ĂŒber 11 % RumĂ€nienungarn (1930: 1,43 Mio.) sowie (1930) jeweils ĂŒber 700 000 RumĂ€niendeutsche und Juden.
 
Innenpolitisch wurde das allgemeine Wahlrecht eingefĂŒhrt (1918), eine radikale Agrarreform durchgefĂŒhrt (1921) und eine neue, stĂ€rker parlamentarische Verfassung angenommen (1923). Außenpolitisch arbeitete RumĂ€nien ab 1921 eng mit Jugoslawien und der Tschechoslowakei in der Kleinen Entente sowie mit Frankreich (Balkanpakt 1934) und Polen zusammen.
 
Seit 1922 bildete die Nationalliberale Partei, v. a. unter den MinisterprĂ€sident I. I. C. Brătianu (1922-26, 1927) und Vintilă Brătianu (1927-28), die Regierung; bedeutend wurde auch die Nationale Bauernpartei unter I. Maniu. Bald erstarkten rechtsgerichtete Gruppierungen, insbesondere die 1927 gegrĂŒndete Legion Erzengel Michael (Eiserne Garde). Der Tod König Ferdinands (1926) löste eine Krise aus, da Kronprinz Karl (Carol) auf den Thron verzichtete und ins Exil ging. FĂŒr seinen minderjĂ€hrigen Sohn, König Michael (Mihai) I., wurde ein Regentschaftsrat eingesetzt (1927-30). Maniu setzte sich fĂŒr die RĂŒckkehr des verbannten Prinzen Karl ein, der 1930 seinen Sohn als Karl II. (1930-40) ablöste; er regierte mit rasch wechselnden Regierungen, meist getragen von der Bauernpartei (MinisterprĂ€sident: Maniu, 1928-30, 1932-33; A. Vaida-Voievod, 1932, 1933) oder der Nationalliberalen Partei (MinisterprĂ€sident: Gheorghe Duca, 1933; G. Tatarescu, 1934-37). Am 10. 2. 1938 errichtete Karl II. ein diktatorisches Regierungssystem (»Königsdiktatur«): Außerkraftsetzung der Verfassung von 1923, Auflösung aller Parteien, GrĂŒndung einer Staatspartei. Gleichzeitig betrieb die Regierung eine wirtschaftliche AnnĂ€herung an Deutschland bei Aufrechterhaltung der bisherigen BĂŒndnispolitik.
 
Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges erklĂ€rte RumĂ€nien zunĂ€chst seine strikte NeutralitĂ€t (6. 9. 1939. Ein sowjetisches Ultimatum vom 26. und 27. 6. 1940 erzwang die sofortige Abtretung von Bessarabien sowie der Nord-Bukowina und beschleunigte den von Karl II. vorbereiteten Anschluss an die AchsenmĂ€chte: Der Zweite Wiener Schiedsspruch (30. 8. 1940 nahm RumĂ€nien auch NordsiebenbĂŒrgen und löste innenpolitisch, v. a. unter dem Druck des Generals I. Antonescu, die Abdankung Karls II. am 6. 9. 1940 aus, dessen Sohn Michael wieder den Thron bestieg; im Vertrag von Craiova (7. 9.) trat RumĂ€nien auch die SĂŒddobrudscha an Bulgarien ab. Nach dem Verlust eines Drittels des rumĂ€nischen Staatsgebiets kam es zur Übernahme der tatsĂ€chlichen Regierungsgewalt durch Antonescu, der zum »StaatsfĂŒhrer« (»Conducǎtorul«) ausgerufen wurde. Er fĂŒhrte nach vorĂŒbergehender Zusammenarbeit mit der Eisernen Garde (bis Januar 1941) RumĂ€nien in ein enges BĂŒndnis mit Deutschland (Beitritt zum DreimĂ€chtepakt, 23. 11. 1940) und in den Krieg gegen die UdSSR (22. 6. 1941, in dem RumĂ€nien im Juli 1941 Bessarabien und die Nord-Bukowina zurĂŒckgewann. Die Niederlage der rumĂ€nischen Armee in der Ukraine und besonders bei Stalingrad (1942/43) erschĂŒtterte das BĂŒndnis. Als die Front 1944 rumĂ€nische Gebiet erreichte, kam es am 23. 8. 1944 unter Mitwirkung des Königs zum Umsturz und zum Frontwechsel: Michael I. ließ Antonescu verhaften und setzte eine Koalitionsregierung unter symbolischer Beteiligung der Kommunisten ein. Die Rote Armee besetzte alsbald ganz RumĂ€nien; in der bedingungslosen Kapitulation vom 12. 9. 1944 musste RumĂ€nien die erneute Abtretung Bessarabiens sowie der Nord-Bukowina, die Zahlung hoher KriegsentschĂ€digungen und die Beteiligung am Krieg auf sowjetischer Seite zugestehen; am 24./25. 8. hatte RumĂ€nien dem Deutschen Reich den Krieg erklĂ€rt. Im Pariser Frieden kamen NordsiebenbĂŒrgen wieder an RumĂ€nien, Bessarabien und die Nord-Bukowina wieder an die UdSSR (10. 2. 1947.
 
Volksdemokratie und kommunistische Herrschaft
 
(1945/47-89): Von den westlichen MĂ€chten allein gelassen (Churchill-Stalin-Vereinbarung, Moskau 9. 10. 1944 ), erfolgte eine rasche Umgestaltung zur »Volksdemokratie«; am 6. 3. 1945 wurde Michael gezwungen, eine Koalitionsregierung der »Nationaldemokratischen Front« unter P. Groza (1945-52) einzusetzen, in der die Kommunistische Partei (KP) zu immer grĂ¶ĂŸerem Einfluss gelangte. Die im MĂ€rz 1945 verkĂŒndete Agrarreform löste zunĂ€chst den Großgrundbesitz auf und bereitete den Weg fĂŒr die Kollektivierung (im MĂ€rz 1962 abgeschlossen). Nach Ausschaltung aller oppositionellen KrĂ€fte 1946-47 (u. a. Prozess gegen Maniu) und dem Verbot der nichtkommunistischen Parteien (1947) setzte sich die RumĂ€nische Arbeiterpartei, die auf Betreiben der KP geschlossene Vereinigung mit der Sozialdemokratie, als alleinige FĂŒhrungsmacht durch. Die erzwungene Abdankung des Königs und die Ausrufung der Volksrepublik (30. 12. 1947 Verfassung vom 13. 4. 1948) sowie ein sowjetisch-rumĂ€nischer Vertrag (4. 2. 1948 besiegelten die Eingliederung RumĂ€niens (1947 GrĂŒndungsmitglied des Kominform) in den Machtbereich der UdSSR; 1949 schloss sich das Land dem RGW, 1955 dem Warschauer Pakt an (Ostblock).
 
Nach der Verstaatlichung der Wirtschaft (Juni 1948) wurde die Industrialisierung des Agrarlandes RumĂ€nien rasch vorangetrieben, v. a. durch Ausbau der Schwerindustrie. Nach 1960 leitete GeneralsekretĂ€r G. Gheorghiu-Dej (1944-65) - in Sorge vor einem Machtverlust infolge der Entstalinisierung und begĂŒnstigt durch den RĂŒckzug der sowjetischen Besatzungstruppen 1958 - eine auf grĂ¶ĂŸere SelbststĂ€ndigkeit von der UdSSR bedachte Politik ein. Sein Nachfolger N. CeauƟescu (1965/67-89) errichtete ein seit den 70er-Jahren zunehmend von einem Personenkult orientalischen Ausmaßes sowie Nepotismus geprĂ€gtes diktatorisches Herrschaftssystem (gestĂŒtzt auf die Securitate). Regimekritiker wurden verhaftet oder ausgebĂŒrgert (u. a. P. Goma, 1977). Außenpolitisch praktizierte CeauƟescu - ebenfalls v. a. zur Festigung seiner persönlichen Macht - eine »Öffnung nach allen Seiten«.
 
Die katastrophale wirtschaftliche Lage (nach 1980) und die verschĂ€rften neostalinistischen Herrschaftspraktiken (schwere Menschenrechtsverletzungen) fĂŒhrten RumĂ€nien in die internationale Isolierung. Die im Februar 1983 bekannt gegebene Einebnung von 7 000 der 13 000 Dörfer von RumĂ€niendeutschen beziehungsweise RumĂ€nienungarn zur Landgewinnung fĂŒr Agrozentren begrĂŒndeten außenpolitischen Spannungen mit Ungarn und der Bundesrepublik Deutschland (v. a. 1988/89).
 
Den von M. S. Gorbatschow seit 1985 in der UdSSR eingeleiteten Reformkurs im Ostblock lehnte CeauƟescu am striktesten ab; andererseits entwickelten v. a. nonkonformistische beziehungsweise regimekritische Intellektuelle AnsĂ€tze einer Opposition (BĂŒrgerbewegung). Eine erste Demonstration von Studenten und Arbeitern in Kronstadt (15. 11. 1987 konnte noch unterdrĂŒckt werden. Nachdem aber Osteuropa im Herbst 1989 eine Welle von friedlichen Revolutionen erlebte, lösten blutig bekĂ€mpfte Demonstrationen und BĂŒrgeraufstĂ€nde in Temesvar (16./17. 12. 1989), dann in Arad (18. 12.), auch in RumĂ€nien eine Volkserhebung aus (ab 20. 12.), in deren Verlauf sich die Armee am 21./22. 12. auf die Seite der Protestbewegung stellte. In Bukarest kam es ab 21. 12. zu blutigen StraßenkĂ€mpfen, auch zwischen Armeeeinheiten und der Securitate. Der am 22. 12. 1989 gestĂŒrzte CeauƟescu und seine Frau Elena wurden am 23. 12. auf der Flucht verhaftet, am 25. 12. 1989 in TĂąrgoviƟte von einem MilitĂ€rgericht zum Tode verurteilt und hingerichtet. Als neue Regierung bildete sich eine »Front der Nationalen Rettung« (FSN), die am 26. 12. 1989 I. Iliescu zum provisorischen StaatsprĂ€sidenten ernannte (»unvollendete Revolution«, A. U. Gabanyi; Opfer am 24. 5. 1990 offiziell mit 1 038 angegeben).
 
RumĂ€nien im Übergang zur Demokratie
 
(seit 1989): Der am 22./28. 12. 1989 gebildete Rat der FSN unter Iliescu hob u. a. die Umsiedlungsgesetze auf und kĂŒndigte freie Wahlen an; zugleich wurde der Staatsname abgeĂ€ndert (Republik RumĂ€nien; vorher Sozialistische Republik RumĂ€nien). Noch Ende 1989 wurde die Nationale Bauernpartei - Christdemokraten (PNTCD; C. Coposu) wieder gegrĂŒndet; in der Folge entstanden bis zu 150 Parteien. Massenproteste und der Beschluss des runden Tisches (FSN und Opposition) vom 27. 1. bewirkten am 1. 2. 1990 die Ersetzung des FSN-Rats durch den Provisorischen Rat der Nationalen Einheit, in dem etwa 30 Parteien und Bewegungen vertreten waren. Bei den ersten freien Wahlen am 20. 5. 1990 wurde Iliescu als Kandidat der FSN mit 85,5 % der Stimmen zum StaatsprĂ€sidenten gewĂ€hlt; die FSN wurde die stĂ€rkste politische Gruppe im Parlament. Die Annahme einer neuen Verfassung am 21. 11. beziehungsweise 8. 12. 1991 markierte zwar die Trennung vom totalitĂ€ren Regime, aber Politik und Wirtschaft wurden weiter durch die ehemalige kommunistische Kaderelite monopolisiert sowie die Opposition unterdrĂŒckt (u. a. BĂŒrgerallianz, »Gesellschaft von Temesvar«, PNTCD; ab Oktober 1991 im BĂŒndnis »Demokratischer Konvention«, CDR/RDK, zusammengeschlossen). Blutige Auseinandersetzungen v. a. in SiebenbĂŒrgen zwischen RumĂ€nen und RumĂ€nienungarn (MĂ€rz 1990) andererseitsund Auseinandersetzungen zwischen antikommunistischen Demonstranten einerseits, SicherheitskrĂ€ften und herbeigeholten Bergarbeitern (Juni 1990) sowie rasche Regierungswechsel (MinisterprĂ€sident 1990-1991 Petre Roman [* 1946]; 1991-92 Theodor Stolojan [* 1943]) verdeutlichten die Probleme bei der Überwindung des schweren wirtschaftlichen Erbes und der politischen (ideologischen oder ethnischen) GegensĂ€tze. - Am 24. 6. 1991 verurteilte das rumĂ€nische Parlament einstimmig die Annexion Bessarabiens (1940) durch die UdSSR; die UnabhĂ€ngigkeit Moldawiens wurde sofort anerkannt (27. 8. 1991. - Am 7. 4. 1992 spaltete sich die FSN in die FDSN (um Iliescu) und in die radikal reformorientierte FSN (spĂ€ter Sozialdemokratische Union, USD, um Roman).
 
Die PrÀsidentschafts- und Parlamentswahlen vom 27. 9./11. 10. 1992 gewannen Iliescu und die FDSN (spÀter in Partei der Sozialen Demokratie RumÀniens, PSDR, umbenannt). Die Regierung unter Nicolae Văcăroiu (* 1943; FDSN beziehungsweise PSDR; 1992-96) sah sich mit einer galoppierenden Inflation (Höhepunkt: 1993) konfrontiert. Von April bis Sommer 1995 kam es zu Streiks und Massendemonstrationen.
 
Bei den PrĂ€sidentschaftswahlen vom 17. 11. 1996 setzte sich der Kandidat der CDR/RDK E. Constantinescu im 2. Wahlgang durch; er leitete die erste wirkliche demokratische Machtablösung nach 1989 ein. MinisterprĂ€sident an der Spitze einer Koalitionsregierung aus CDR/RDK, USD und UDMR wurde Victor Ciorbea (* 1954), im April 1998 abgelöst von Radu Vasile (* 1942; PNTCD). Die Regierung setzte sich das Ziel, den wirtschaftlichen und politischen RĂŒckstand RumĂ€niens gegenĂŒber den anderen Transformationsstaaten abzubauen.
 
Zentrales Ziel der Außenpolitik RumĂ€niens ist seine politische und militĂ€rische Integration in die zwischen- und ĂŒberstaatlichen Organisationen der westlichen Staatenwelt. Am 1. 2. 1993 unterzeichnete die rumĂ€nische Regierung ein Abkommen ĂŒber die Assoziierung RumĂ€niens an die EG (Europaabkommen, in Kraft seit 1. 2. 1995). Im selben Jahr wurde R. Mitglied des Europarats; am 26. 1. 1994 trat RumĂ€nien als erstes postkommunistisches Land dem NATO-Programm »Partnerschaft fĂŒr den Frieden« bei (NATO-Mitgliedschaft angestrebt). Im Juni 1995 stellte RumĂ€nien den formellen Antrag zur Aufnahme in die EU.
 
 
The history of the Romanian people, hg. v. A.OĆŁetea (Bukarest 1970);
 M. Bernath: Habsburg u. die AnfÀnge der rumÀn. Nationsbildung (Leiden 1972);
 
R., hg. v. K.-D. Grothusen (1977);
 
Hb. der europ. Gesch., hg. v. T. Schieder, Bd. 7, Tl. 2 (1979);
 C. C. u. D. C. Giurescu: Gesch. der RumÀnen (a. d. RumÀn., Bukarest 1980);
 E. Illyés: Nat. Minderheiten in R. (Wien 1981);
 D. Prodan: Supplex libellus Valachorum. Aus der Gesch. der rumÀn. Nationsbildung, 1700-1848 (a. d. RumÀn., 1982);
 G. Castellan: Histoire de la Roumanie (Paris 1984);
 B. Jelavich: Russia and the formation of the Romanian national state, 1821-1878 (Cambridge 1984);
 A. U. Gabanyi: Die unvollendete Revolution. R. zw. Diktatur u. Demokratie (1990);
 R. Wagner: Sonderweg R. Bericht aus einem Entwicklungsland (21992);
 G. Klein RumÀn. Landeskunde (1995);
 E. Völkl: R. Vom 19. Jh. bis in die Gegenwart (1995);
 
RomĂąnia. Atlas istorico-geografic, bearb. v. C. Bodea u. a. (Bukarest 1996);
 I. Bulei: Kurze Gesch. R.s (Bukarest 1998);
 
R. im Brennpunkt, hg. v. K. Zach (1998).
 
Hier finden Sie in Überblicksartikeln weiterfĂŒhrende Informationen:
 
Europa: Die Teilung Europas nach 1945
 
Ostblock: Die Auflösung
 
RumÀnien: Der Sturz der Diktatur
 

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Ru|mĂ€|ni|en, -s: Staat im sĂŒdöstlichen Mitteleuropa.

Universal-Lexikon. 2012.

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